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Belagerung von Konstantinopel
 
Situation des byzantinischen Reichs
 
Geschichte
 
Literatur

Geschichte


Mehmed plante, die theodosischen Mauern anzugreifen, die Reihe von Mauern und Wällen, die Konstantinopel vor einem Angriff aus dem Westen schützten. Seine Armee bezog am Ostermontag, dem 2. April 1453 vor der Stadt Stellung. Wochenlang schoss Mehmeds massive Kanone auf die Mauern, doch sie war nicht in der Lage, anhaltenden Schaden anzurichten, da man in der Stadt die Löcher immer schnell wieder reparierte, bevor die Kanone Stunden später zu einem nächsten Schuss bereit war. Er ließ Belagerungstürme bauen und an die Stadtmauer ziehen, aber die Byzantiner verbrannten sie mit Griechischem Feuer. Er ließ seine Schiffe vom Marmarameer über Land ins Goldene Horn schleppen, um die Christen auch von der anderen Seite der Stadt vom Wasserweg abzuschneiden.

Am 29. Mai 1453, also nach zweimonatigem Bombardement, wurde die Moral unter den Angreifern durch die knappe Versorgung der Truppe mit Lebensmitteln sehr schlecht. Es gelang ihnen eine große Bresche in die Mauer zu schießen,so dass diese von den Byzantinern nicht mehr vollständig verteidigt werden konnte. Obwohl die Osmanen alle Kräfte in diesen Abschnitt warfen, konnten die Verteidiger die Angreifer noch einige Stunden aufhalten. Schließlich, so die Legende in der griechischen Geschichtsschreibung und in der literarischen Ausarbeitung durch Stefan Zweig, drang eine osmanische Abteilung über einen zwar unbeschädigten aber auch unbewachten Abschnitt der Mauern in die Stadt ein und fiel den Verteidigern in den Rücken; die Stadt war gefallen (dass es sich dabei um eine Legende handelt, hat Stéphane Yerasimos in einem brillanten Aufsatz nachgewiesen - die Osmanen waren derart in der Übermacht, dass sie auf derartige angebliche Nachlässigkeiten der Belagerten nicht angewiesen waren). Die Legende besagt, dass Ulubatli Hasan als erster die Osmanische Flagge auf den Mauern von Konstantinopel hisste. Konstantin hielt bis zuletzt auf den Mauern aus, bis er getötet wurde.

Von Belang ist dabei vor allem die Rolle der Janitscharen als Elitetruppe des Osmanischen Reiches. Einer Legende zufolge soll ein griechisch-stämmiger Hauptmann der Janitscharen beim entscheidenden Sturm in die Stadt gerufen haben: "Eis tän polis!" ("Hinein in die Stadt!") Dieser Ruf wurde von den untergebenen, aber des Griechischen nicht kundigen Janitscharen aufgegriffen, wurde jedoch im Lärm des Kampfes verstümmelt zu: "Is tan bul!" Als Mehmed II. in die Stadt kam und diesen Ruf hörte, beschloss er, die Stadt solle nach dem Ausruf benannt werden, der seinen Kriegern so viel Mut gegeben habe. Freilich ist diese Anekdote historisch nicht belegt, wird aber nicht ausgeschlossen.

Die Osmanen machten Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Die Eroberung Konstantinopels spielte eine wichtige Rolle in der zeitgenössischen Publizistik; (Gutenberg erlangte mit seinem Buchdruck ein Jahr später, 1454, den Durchbruch und produzierte als ersten Druck noch vor der Bibel eine Schrift über die Türken: Dieser sollten noch viele weitere folgen) - vor allem der Papst und der Kaiser hatten ein Interesse daran, die osmanische Expansion als eine apokalyptische Gefahr für die gesamte Christenheit darzustellen. Das Datum der Eroberung Konstantinopels wird traditionellerweise als eine mögliche Epochenschwelle zwischen Mittelalter und Neuzeit genannt. In der Geschichtswissenschaft ist man sich jedoch darüber einig, dass solche Setzungen nur begrenzt aussagekräftig sind. Unbestritten ist jedoch, dass die Eroberung Konstantinopels eine hohe Symbolwirkung hatte, auch wenn das Byzantinische Reich, dessen letzte "Hauptstadt ohne Reich" nun vernichtet worden war, im 15. Jahrhundert politisch keine große Bedeutung mehr gehabt hatte.